Wann zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?
In guten Verträgen dann, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich sechs Monate lang zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können.
Maßgeblich ist der Beruf so, wie Sie ihn vor der Erkrankung tatsächlich ausgeübt haben, nicht die Bezeichnung im Arbeitsvertrag. Anerkannt wird allerdings nicht am Tag der Meldung: Der Versicherer fordert Befunde, Arztberichte und eine genaue Beschreibung Ihrer Tätigkeit an. Gute Verträge zahlen deshalb rückwirkend ab dem ersten Tag der Berufsunfähigkeit.
Reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nicht?
Für die meisten nicht, denn sie fragt nicht nach Ihrem Beruf, sondern danach, was Sie am allgemeinen Arbeitsmarkt noch leisten können.
Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren ist, hat keinen Anspruch mehr auf eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente; geblieben ist die Erwerbsminderungsrente. Sie richtet sich nach den Stunden, die Sie täglich noch arbeiten können:
- sechs Stunden und mehr: keine Rente
- drei bis unter sechs Stunden: die halbe Rente
- unter drei Stunden: die volle Rente
Dazu kommen fünf Jahre Wartezeit und drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf. Die im Jahr 2024 neu zugegangenen Erwerbsminderungsrenten lagen im Schnitt bei 1.041 Euro im Monat, ausgezahlt nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung.
Wie hoch sollte meine BU-Rente sein?
Als Richtwert gelten 75 bis 80 Prozent Ihres Nettoeinkommens, und unter 1.500 Euro im Monat sollte man nicht anfangen.
Rechnen Sie nicht mit einem Prozentsatz vom Brutto, sondern von unten: erst die laufenden Fixkosten, dann das, was zum Leben bleiben soll. Zwei Posten werden dabei regelmäßig vergessen:
- Wer privat krankenversichert ist, zahlt den Beitrag weiter, bei Angestellten künftig ohne den Anteil des Arbeitgebers.
- Die Altersvorsorge läuft ohne Einkommen nicht von allein weiter.
Nach oben setzen die Versicherer eine Angemessenheitsgrenze: überwiegend rund 60 Prozent des Bruttoeinkommens, bei manchen Häusern etwa 80 Prozent des Nettoeinkommens mit sinkenden Sätzen für höhere Einkommensteile.
Wie lange sollte die BU laufen, und bis wann kann ich abschließen?
Bis 65 oder bis 67. Ich rate meist zu einer höheren Rente bis 65 statt einer kleineren bis 67, denn die letzten beiden Jahre kauft man überproportional teuer ein.
Endet der Vertrag mit 65, fehlen bis zur gesetzlichen Rente in der Regel zwei Jahre. Legen Sie die Ersparnis beim Beitrag deshalb zurück, damit diese Zeit überbrückt ist.
Abschließen sollten Sie früh. Ein Höchstalter für den Abschluss legt zwar jeder Versicherer selbst fest, aber mit jedem Jahr wächst die Krankenakte, und der Beitrag steigt.
Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Der Beitrag hängt an Alter, Beruf, Gesundheit, Rentenhöhe und Laufzeit. Entscheiden sollten aber die Bedingungen, denn nach einer Diagnose ist ein zweiter Abschluss oft nicht mehr möglich.
Am stärksten wirken Alter und Beruf. Die Gesellschaften sortieren Tätigkeiten in Berufsgruppen, und je körperlicher die Arbeit, desto höher der Beitrag. Drei Dinge sind dabei wichtiger als der Einstiegspreis:
- Das Eintrittsalter bestimmt den Beitrag für die ganze Laufzeit, wer früh abschließt, zahlt also dauerhaft weniger. Garantiert ist dabei der Bruttobeitrag; der heutige Zahlbeitrag kann je nach Tarif bis dorthin steigen.
- Der günstigste Tarif ist nicht der, der im Leistungsfall am ehesten zahlt.
- Mit einer Nachversicherungsgarantie erhöhen Sie die Rente bei Heirat, Geburt oder Gehaltssprung ohne neue Gesundheitsfragen. Wer heute knapp kalkuliert, braucht sie morgen.
Was ist, wenn ich wegen der Psyche in Behandlung war?
Pauschal abgelehnt wird deswegen niemand. Wie es ausgeht, hängt vor allem am zeitlichen Abstand.
Das ist die häufigste Sorge, und sie hat einen Grund. Psychische Erkrankungen und Nervenleiden sind nach der Auswertung von Morgen & Morgen aus dem Jahr 2026 mit rund 39 Prozent die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Entsprechend genau prüfen die Versicherer.
- Wer drei bis fünf Jahre ohne Symptome und ohne Behandlung ist, gilt meist als versicherbar.
- Verschweigen ist der schlechteste Weg. Eine nicht angegebene Therapie kann den Schutz Jahre später rückwirkend kosten.
- Der saubere Weg ist die anonyme Voranfrage. Ihre Daten gehen ohne Namen an mehrere Häuser, ein abgelehnter Antrag entsteht dabei nicht.
Zahlt die Versicherung im Ernstfall wirklich?
Häufiger, als der Ruf vermuten lässt: Rund 80 Prozent der Entscheidungen fielen 2024 zugunsten der Versicherten aus.
Franke und Bornberg haben dafür über 36.000 Leistungsfälle aus dem Jahr 2024 ausgewertet. Bei den Ablehnungen geht es fast nie um Ausflüchte, sondern um zwei Dinge:
- In rund 60 Prozent der Fälle war der Grad von 50 Prozent nicht erreicht.
- In etwa 27 Prozent ist der Versicherer zurückgetreten oder hat angefochten, weil im Antrag Angaben fehlten oder falsch waren.
Die Verweisung, über die am meisten geredet wird, macht unter einem Prozent aus. Beide Zahlen zeigen, dass über die Leistung vor allem entscheidet, wie sauber der Vertrag zustande gekommen ist.