Wir haben Betriebshaftpflicht und eine Inhaltsversicherung – wozu noch eine Montageversicherung?
Weil die Betriebshaftpflicht das Montageobjekt nicht erfasst und die Inhaltsversicherung den typischen Montageschaden meist auch nicht.
Die Betriebshaftpflicht deckt, was Sie einem Dritten schulden. Ihr eigenes Montageobjekt ist bis zur Abnahme kein Drittschaden, sondern Ihr Leistungsrisiko. Die Inhaltsversicherung versichert den fertigen Betrieb und arbeitet in der Regel mit benannten Gefahren. Den typischen Montageschaden erfasst sie meist nicht.
Umgekehrt hat auch die Montageversicherung Grenzen.
- Verzögerung: Sie ersetzt den Sachschaden, nicht die Verzögerung. Schiebt sich dadurch die Inbetriebnahme, sind entgangener Gewinn und laufende Kosten Sache einer eigenen Deckung gegen Betriebsunterbrechung.
- Regulärer Betrieb: Sie endet, bevor der reguläre Betrieb beginnt. Was danach passiert, gehört in die Elektronik- oder die Maschinenversicherung.
- Fremde Sachen: Sie sind nur auf gesonderte Vereinbarung versichert, und für sie zahlt der Vertrag erst, wenn ein Dritter Sie als Verursacher in Anspruch nimmt.
Wer schließt die Montageversicherung ab – Auftraggeber oder Montagefirma, und sind Subunternehmer mitversichert?
Abschließen kann beides, der Besteller oder die Montagefirma. Entscheidend ist, wer nach dem Vertrag die Gefahr bis zur Abnahme trägt, und das ist meist die Montagefirma.
- Einzelvertrag oder Jahresvertrag: Für ein einzelnes großes Projekt gibt es den Einzelvertrag. Wer regelmäßig montiert, versichert alle Montagen eines Jahres über einen Jahresvertrag und meldet sie oder rechnet sie nach Umsatz ab.
- Subunternehmer: Ihre Interessen sind nach den Musterbedingungen für ihre eigenen Leistungen mitversichert. Der Versicherer darf sich aber bei ihnen zurückholen, was sie verursacht haben. Gute Bedingungen verzichten auf diesen Rückgriff, außer bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit.
- Auftraggeber verlangt den Nachweis: Oft steht im Werkvertrag, wer die Montageversicherung stellt. Lesen Sie das vor dem Angebot, damit sie nicht doppelt oder gar nicht abgeschlossen wird.
Die Anlage läuft schon im Probebetrieb – sind wir noch versichert?
In den beiden Werken, die mir vorliegen, einen Monat lang ja, gerechnet ab Beginn der ersten Erprobung. Danach endet die Deckung für alles, was zur Erprobung gehört.
Verlässlich ist dieser Monat allerdings nur, wenn Ihr Vertrag bestimmt, wann die Erprobung beginnt.
- Beginn der Erprobung: Das Grundwerk sagt oft gar nicht, wann sie beginnt. Eine Klausel bestimmt den Beginn je Anlagentyp als erste Zündung, erstes Befüllen, erstes Anlegen von Spannung oder erstes Drehen. Sie liegt mir nur in einem der beiden Klauselanhänge vor. Fehlt sie, wird über den Fristbeginn im Schadenfall gestritten, und er ist Auslegungssache.
- Verlängerung: Der Monat lässt sich verlängern. Dann steht die Zahl der Monate im Versicherungsschein.
Der Erprobungsmonat ist einer von vier Endpunkten, und der früheste gilt.
- die Abnahme
- das Ende der Montage, sobald Sie dem Versicherer gegenüber erklärt haben, dass das versicherte Interesse erloschen ist
- der Zeitpunkt im Versicherungsschein. Er wird am leichtesten übersehen. Verschiebt sich der Zeitplan, läuft der Schutz aus, während die Anlage offen auf dem Platz steht. Verlängern lässt sich der Schutz, aber nur, wenn Sie es vor dem Ende beantragen.
- der Erprobungsmonat. Ausgeschlossen bleiben außerdem die dauernden Einflüsse des Betriebes während der Erprobung, denn sie ist eine Testphase und kein versicherter Dauerbetrieb.
In der Praxis lohnt sich bei der Versicherungsdauer ein Puffer gegenüber dem Bauzeitenplan.
Sind Montagefehler versichert?
Montagefehler sind nur teilweise versichert. Der Mangel Ihrer eigenen Leistung ist es nie, wohl aber der Schaden, den der Fehler an allem anderen anrichtet, was Sie bereits ordnungsgemäß erbracht haben.
Was Sie falsch erbracht haben, müssen Sie auf eigene Kosten richtig machen. Die Trennlinie ist schärfer, als sie klingt, und die Prüfung ist technisch.
- Beispiel: Wird bei der Montage einer Turbine eine Dichtung zu fest angezogen und brennt die Turbine im Probebetrieb aus, zahlen Sie die Dichtung und der Versicherer die Turbine. So folgt es jedenfalls aus der Systematik. Ausdrücklich formuliert ist sie in keinem der beiden Werke, das aktuelle Branchenmuster benennt diese Reichweite dagegen.
- Prüffrage: Lag die Ursache außerhalb der beschädigten Teilleistung? Ein Sachschaden setzt einen Zustand voraus, der vorher da war und von außen beeinträchtigt wird. Steckt der Fehler von Anfang an in der Leistung, ist es ein Mangel.
- Keine Zerlegung: Eine Leistung lässt sich hinterher nicht in zwei zerlegen, um den Mangel kleiner zu machen.
- Erstausführung: Was Sie der Art nach erstmalig ausführen, ist im Grundwerk nur gedeckt, soweit der Schaden durch eine Einwirkung von außen entstanden ist. Bei Prototypen und Einzelanfertigungen ist das ein Punkt, über den man vorher spricht.
- De- und Remontage: Für die De- und Remontage, die zur Beseitigung eines Mangels ohnehin anfällt, ersetzen beide Anhänge 80 Prozent dieser Kosten, wenn die Klausel vereinbart ist.
Sind Werkzeuge, Gerüste und Kräne mitversichert?
Nur, wenn Sie das gesondert vereinbaren. Und auch dann gilt für die Montageausrüstung im Grundwerk nicht die Allgefahrendeckung des Montageobjekts, sondern nur der Ersatz bei einem Unfall.
Der Kran, der umkippt, ist versichert, der Getriebeschaden aus dem Betrieb heraus nicht. Erst eine erweiterte Klausel deckt auch Schäden aus dem Betrieb heraus, die Abnutzung bleibt auch dann ausgeschlossen. Autokrane und andere Fahrzeuge sind im Grundwerk ausgeschlossen. Autokrane lassen sich per Klausel einschließen, meist ist aber eine eigene Maschinenversicherung der bessere Weg. Für Ausrüstung, die Sie auf vielen Baustellen einsetzen, ist eine Maschinenversicherung oft der bessere Weg als der Einschluss in jede einzelne Montage.
Der Bauherr hat eine Bauleistungsversicherung – brauchen wir dann noch etwas?
Bevor Sie sich darauf verlassen, sollten zwei Rückfragen geklärt sein.
- Versichert sie die Anlage oder das Bauwerk? Von der Bauleistungsversicherung unterscheidet die Montageversicherung der Gegenstand. Dort ist es das werdende Bauwerk aus Beton, Stein, Erde und Holz, hier die Anlage, überwiegend aus Metall. Das schärfste Merkmal ist die Erprobung, denn eine Prüf- und Testphase kennt nur die Montageversicherung. Bei einer Halle mit einer Anlage darin, einer Biogasanlage oder einem Windpark sind bauliche und technische Teile aber kaum zu trennen. Dann ist die Zuordnung Auslegungssache, und ausgelegt wird im Schadenfall. Halten Sie deshalb schon im Werkvertrag fest, welche Police welche Teile deckt.
- Sind Sie dort mitversichert, und mit welchem Interesse? Ihre eigene Police leistet nicht, soweit für denselben Schaden aus einem anderen Vertrag von Ihnen oder einem Mitversicherten Leistung beansprucht werden kann. Eine schwache Fremddeckung kann Ihre eigene also entwerten, ohne sie zu ersetzen. Deckt die fremde Police Ihre Teile dagegen belastbar, bringt eine zweite Police für dieses Projekt wenig.
Das ist vor allem eine Frage der Abstimmung, und die gehört vor das Projekt. Dazu zählen auch die Ausschlussklauseln Ihrer eigenen Police, die oft Teil einer arbeitsteiligen Absicherung sind, etwa wenn Feuer über eine Police des Bauherrn läuft. Gefährlich wird eine solche Klausel erst, wenn niemand sonst die herausgenommene Gefahr deckt. Die Frage lautet also: Welche Ausschlussklausel steht in Ihrem Versicherungsschein, und wer deckt die herausgenommene Gefahr dann?
Wovon hängt der Beitrag für eine Montageversicherung ab?
Eine Zahl nenne ich Ihnen hier nicht, denn ohne Ihr Projekt wäre sie geraten.
Als Stellschrauben sehe ich an einem Angebot diese vier.
- die Versicherungssumme. Sie ist nicht der Nettoauftragswert, sondern der endgültige Kontraktpreis einschließlich Fracht-, Montage- und Zollkosten und Gewinn. Zu Beginn steht sie nur vorläufig fest.
- die Montagedauer
- die zusätzlich vereinbarten Positionen und Klauseln. Drei Positionen kommen nur auf gesonderte Vereinbarung hinzu, die Montageausrüstung, fremde Sachen auf dem Montageplatz und, nur im Ausland, das Eigentum Ihres Montagepersonals.
- der Selbstbehalt
Nach Ende des Versicherungsschutzes wird die Summe anhand von Originalbelegen, meist der Schlussrechnung, endgültig festgesetzt und der Beitrag nachberechnet. Die Differenz kann in beide Richtungen gehen. Das Erstgespräch dazu ist kostenfrei.